Acker

„Beim Konkurrenzkampf zwischen Technik
und Natur steht letztere vor dem Konkurs.“
Wolfgang Eschker

Roggen, ehemals auch Korn genannt, Hafer, Gerste und Weizen, Kartoffeln, Rüben und ganz früher auch Flachs standen auf den erzgebirgischen Äckern. Wogende Getreidemeere, Getreidepuppen und Stoppelfelder führten durch das landwirtschaftliche Jahr und waren fester Bestandteil des Landschaftsbildes. Der Ackerbau war dreidimensional, die Getreideähren standen zur Erntezeit fast in Kopfhöhe. Heute muss man sich auf die Erde legen, wenn man den Ähren ins Auge blicken will, die dritte Dimension ist fast verloren gegangen. Parallel dazu eine Vielzahl von Feldtieren wie das Rebhuhn, das früher in diesen Ackerflächen Deckung und Nahrung fand. Nur der Mais nimmt einem heute noch manchmal die Sicht.

02-Unkraut im Getreide, ein seltenes Bild

Von der Erstbesiedlung bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde Ackerbau in Form der Dreifelderwirtschaft betrieben, also je ein Drittel Brachefeld, Wintergetreide und Sommergetreide, die dann von Jahr zu Jahr wechselten. Die Dreifelderwirtschaft brachte einen erheblich höheren Ertrag als die früheren Anbauformen wie die Zweifelderwirtschaft und die Feldgraswirtschaft Diese frühen Formen des Feldbaus kamen aber in unserer relativ spät besiedelten Landschaft wahrscheinlich nicht mehr zur Anwendung. Später wurde die verbesserte Dreifelderwirtschaft eingeführt, bei der die Brache durch eine Nutzung ersetzt wurde, meistens Rotklee, Kartoffeln oder Rüben. Dann fügte man bei der Vierfelderwirtschaft ein weiteres Jahr mit Futterpflanzen in der Fruchtfolge ein, die dann später noch weiter verfeinert wurden. Mit dem Aufkommen von Handelsdünger und Mineraldünger im letzten Jahrhundert wurde der Ackerbau immer weniger abhängig von den Fruchtfolgen. Heute entscheiden darüber, was auf dem Acker steht, eher die Vorgaben der Agrarpolitik und der aktuelle Markt, beispielsweise solche Trends wie die Erzeugung von Biosprit, der allerdings mit „Bio“ nicht viel zu tun hat. 

04-Ackern in Sosa um 1955

Die früheren Formen der Ackerbewirtschaftung fanden alle mit sehr einfachen landwirtschaftlichen Geräten wie dem Beetpflug und der Egge statt. Das führte dazu, dass solche Landschaftsstrukturen wie Wölbäcker entstanden sind, oder auch Anwände am Rand der Ackerflächen durch das Wenden des Pfluges. Relikte davon sind, wenn überhaupt, allenfalls noch im Grünland oder im Wald zu finden, wenn ehemalige Ackerstandorte aufgegeben wurden. Das gleiche gilt für Ackerterrassen mit den zugehörigen Stufenrainen, ein Zeichen, dass früher Ackerbau in viel steileren Lagen betrieben worden ist, als heute. Mit dem Aufkommen und vermehrten Einsatz immer schwererer und leistungsfähigerer Technik im Laufe des vorigen Jahrhunderts sind diese speziellen Elemente der traditionellen Kulturlandschaft mehr und mehr verschwunden. 

01-Getreidebau heute

Übrigens hatte die frühere Ackerlandschaft eine außerordentlich reichhaltige Unkrautflora, da die rein mechanisch durchgeführte Bekämpfung mit der rigoros wirkenden chemischen Keule von heute nicht zu vergleichen ist. Nur auf Äckern, die aus Naturschutzgründen ohne Unkrautbekämpfung auskommen müssen, kann man sich ein ungefähres Bild davon machen, wie ein Acker früher aussah.

Tipp:

In Stützengrün, im Tal zwischen Stollmühle und Brückenhof, kann man entlang des Bergwiesenerlebnispfades in den jetzigen Weideflächen an verschiedenen Stellen die ehemaligen Ackerterrassen und Stufenraine noch erkennen. Verwechslungsgefahr besteht dabei mit den Kuhtreppen, die sich an langjährig beweideten Hängen herausbilden und ebenfalls hangparallel verlaufen, aber weniger tief eingeschnitten sind.

[Home] [Prolog] [Erläuterungen] [Westerzgebirge] [Der Wald] [Die Feldflur] [Wiese & Weide] [Acker] [Kleinstrukturen] [Kräuterwissen] [Die Gewässer] [Das Dorf] [Epilog] [Weitere Info's] [Ihr Beitrag] [Rechtliches]