Beeren & Pilze

Alles dankbar annehmen und
sich bescheiden und stolz
als Gast des Weltalls fühlen.
Hermann Hesse (1877-1962)

„Wenn es Annel mit’n Kannel in de Schwarzbeer gieht“, wer kennt sie nicht, die Passage aus dem beliebten Volkslied, in dem der alljährlich wiederkehrende Auszug der Dorfbewohner in den Wald so anrührend beschrieben wird. Fast sehnsüchtig wartete man manchmal auf die Schwarzbeerenernte, denn diese schmackhafte Waldfrucht war lange Zeit eine willkommene Bereicherung des Speiseplanes und in Notzeiten geradezu ein Segen. Auch konnte man durch den Verkauf von Beeren die Haushaltkasse etwas aufbessern. Man postierte sich hinter den Vorhängen und spähte wachsam auf die Straße, damit man ja nicht die Erntezeit verpasste und die Nachbarn einem alles wegholten. Endlich war es dann soweit, es wurde zum Aufbruch geblasen, alle noch transportfähigen Familienmitglieder zogen mit sämtlichen verfügbaren Töpfen, Schüsseln und Kannen hinaus in den Wald und es wurde „gebeert“, was das Zeug hielt. Die Freude war groß, wenn die Ernte gut ausfiel und alle Gefäße bis zum Rand gefüllt waren. Wieder zuhause, saß man dann erschöpft am Küchentisch und schielte auf die schwarzblaue Pracht, die ja noch gewaschen, gesäubert und ihrer Verwendung zugeführt werden musste, und deren Möglichkeiten gab es viele: Schwarzbeergetzen, Schwarzbeerkuchen, Schwarzbeerkompott, Schwarzbeermarmelade oder auch:

Schwarzbeer mit Millich

Zutaten:

150 g frische Schwarzbeeren oder auch Schwarzbeerenkompott, ½ Liter Milch,
2 Eßlöffel Zucker, Brot

Zubereitung:

Die Schwarzbeeren zerquetschen, dann Zucker und Milch hinzugeben und gut umrühren. Beim Essen schrittweise das Brot einbrocken, damit es nicht zu pappelich wird. Frisches Brot schmeckt dabei besonders gut. Die Speise war vor allem an heißen Tagen sehr beliebt. 

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Aber nicht nur die Schwarzbeeren, auch die selteneren Preiselbeeren sammelte man gerne, obwohl sie roh recht sauer und herb und deshalb nicht jedermanns Geschmack sind. In den Gesprächen mit älteren Leuten wurden sie mehrfach als Hausmittel gegen Fieber genannt. Dazu wurden sie eingeweckt und im Krankheitsfall gab es dann ein Schüsselchen Preiselbeerenkompott. Davon ist seltsamerweise in den Heilkräuterbüchern nicht die Rede, dort wird sie vielmehr bei Blasen- sowie Magen- und Darmproblemen empfohlen.

Ähnliche Bedeutung hatten die Pilze. Aber darüber braucht man nicht allzu viele Worte verlieren. Diese schmackhaften Waldfrüchte sind heute noch ebenso beliebt wie früher und zur „Schwammezeit“ hirschen die Menschen auch heute noch in Scharen durch die Wälder. Wohl einer der wenigen „unblutigen“ Belege, dass wir ganz früher alle Jäger und Sammler waren.

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