Die Feldflur

„Fortschritt - das ist der Schritt fort vom natürlichen Leben.“
Heinz Sielmann (1917-2006)

Beim flüchtigen Hinsehen könnte man glauben, dass sich die Feldflur des späten Mittelalters von der heutigen gar nicht so sehr unterscheidet. Aber das täuscht gewaltig, näher betrachtet und besonders im Detail liegen Welten zwischen damals und heute. Eigentlich ist fast nichts so geblieben, wie es war. Einige Worte für die angebauten Feldfrüchte oder die Nutztiere der Menschen sind zwar noch die gleichen, aber dann hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Hafer heißt zwar immer noch Hafer, aber es ist nicht mehr der Hafer von damals. Er steht dichter und erheblich niedriger, steckt seine Kraft in die Ähren und kann auf die Halme fast verzichten.

01-Verdiente Pause in Lichtenau um 1940

Aber nicht nur die Inhalte der Worte haben sich verändert, auch die Landschaft selbst hat sich grundlegend gewandelt. Aus „Handtuchfeldern“ sind riesige Schläge geworden, Ackerränder, Wiesen- und Feldraine sind fast völlig verschwunden. Am auffälligsten aber ist der Verlust der Vielfalt. Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren Wiesen bunte Blütenmeere, in denen es sich für eine Vielzahl von unterschiedlichen Tierarten gut leben lies. Und auch im Acker oder am Ackerrand konnte sich so manches Wildpflänzchen behaupten, auch wenn das vom Bauern nicht gerne gesehen war. Diese Kulisse wurde sukzessive getauscht gegen das heutige Einheitsgrün und Einheitsgelb, in denen man andere Farbtupfer meist vergeblich sucht. Zwar fliegt gelegentlich noch eine Feldlerche auf oder es flattert ein Kleiner Fuchs über den Weg, aber das hat schon eher Seltenheitswert. Viele Pflanzen- und Tierarten kommen mit dem neuen Spielplan schwer oder nicht zurecht und müssen nach und nach das Theater verlassen. Nur wer die Bilder von damals noch vor dem geistigen Auge und Ohr hat, kann dieses Trauerspiel wirklich beurteilen.

02-Strohernte in Sosa um 1955

Man hat also auch in Feld und Flur industrielle Produktionsmethoden eingeführt, unsere Landschaft sozusagen zur Fabrik gemacht. Die wenigen Landwirte, die im Betrieb „Landschaft“ noch arbeiten, kann man für diese Entwicklung am wenigsten verantwortlich machen. Die müssen so wirtschaften wie man es ihnen abverlangt, sonst dürfen sie gehen.

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