Die Küche

„Die Frauen lieben die einfachen Dinge des Lebens,
zum Beispiel Männer.“
Anonym

Mit der Ablösung der „offenen Feuerstellen“ durch richtige Schornsteine lichtete sich der Rauch in der Küche und es wurde gemütlicher. Und so wurde die Küche mehr und mehr zum Mittelpunkt des Hauses und die Stube wurde zur „guten Stube“, durfte nur noch zu außerordentlichen Anlässen betreten werden und war sonst verbotene Zone. Einsam und unbeheizt fristete sie jetzt ihr Dasein. Das eigentliche Leben spielte sich nun in der Küche ab. Dort wurde gekocht und damit gleichzeitig geheizt, ging man den vielfältigen Tätigkeiten nach, die im Laufe des Tages erledigt werden mussten und verbrachte dort auch den Feierabend.

Lichtenau um 1919

Natürlich können wir es uns nicht verkneifen, einmal den Topfdeckel anzuheben und einen neugierigen Blick hinein zu werfen. Und man wird kaum überrascht sein, was da in den vergangenen Jahrhunderten auf den Herden so vor sich hin köchelte hat wenig Gemeinsamkeiten mit den heute aktuellen Speisen. Auch waren die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten in Menge und Art der Speisen sicherlich erheblich größer als heute. Es gab große Schwankungen in der Ernährungslage und nicht etwa ein stetiges Bergauf, von Kriegszeiten und Missernten einmal ganz abgesehen. So gilt als sicher, dass sich die einfachen Menschen um 1800 schlechter ernährten als um 1500, was seine Hauptursachen in der zunehmenden Bevölkerung hatte. Das belegt u.a. der Fleischverbrauch, der in Deutschland am Anfang des 16. Jahrhunderts durchschnittlich bei 100 kg im Jahr lag, um 1800 bei 14, heute bei 60 kg. Erhebliche Unterschiede, obwohl natürlich versucht wurde, das fehlende Fleisch weitgehend durch andere Speisen zu ersetzen, vor allem Getreideprodukte, insbesondere Brot. Und so ist bei der folgenden Beschreibung natürlich zu beachten, dass die jeweiligen konkreten Gegebenheiten oftmals viel Improvisationskunst verlangten, wenn alle Familienmitglieder einigermaßen zufrieden den Esstisch verlassen sollten.

Jedenfalls versuchten die einfachen Leute zu allen Zeiten, aus dem was Wald, Feld, Garten und Stall so hergaben, das Beste zu machen. Und so waren Breie, zuerst Hirse- und dann Haferbrei, und Suppen wohl lange Zeit die Hauptnahrungsmittel, ergänzt durch Fladenbrot, Brot sowie Fisch und Fleisch, die aber keinesfalls täglich auf den Tisch kamen. Dabei gab es über viele Jahrhunderte relativ konstante Essgewohnheiten mit Morgenmahlzeit, Mittagessen und Abendmahlzeit. Es waren mehrere Gänge üblich. Zu jeder Mahlzeit gab es eine warme Vorsuppe aus Magermilch, Molken oder einem Kofent genannten Schwachbieraufguss. Das dritte Gericht war wieder eine suppenähnliche Speise, die Lauteres oder Kofentmährde genannt und in die Brot eingebrockt oder eingetunkt wurde. Jeder Wochentag hatte sein Hauptgericht, etwa Sauerkraut, Graupen, Erbsen, Klöße, Grütze, Linsen. Zu den Klößen gab es Fleisch, Donnerstag war also Fleischtag, der Freitag Fastentag und später Fischtag. Während man es bei der Morgenmahlzeit bei Suppe, Brei und Brot beließ, glich die Abendmahlzeit weitgehend dem Mittagessen, das sicher manchmal auch nur aufgewärmt wurde, aber immer ohne Fleisch war. Dazwischen schob sich eine zunächst nur an den langen Tagen auf dem Feld übliche Brotmahlzeit, die Vesper, die aber gegen 1700 mehr und mehr zur Regel über das ganze Jahr hinweg wurde.

Getrunken wurde Wasser Molken, Buttermilch, Konfent oder Tee. Richtiges Bier gab es nur bei Festlichkeiten.

Butter, Milch und Eier waren oft Handelsware, nur die bei der Butterherstellung anfallenden Nebenprodukte Quark, Molke, Buttermilch und Käse kamen auf den eigenen Tisch. Aber auch Obst und Gemüse aus dem Garten und die Beeren und Pilze des Waldes wurden genutzt, so gut es ging. Das Wild des Waldes wurde schon relativ früh durch entsprechende Gesetzgebung für die „besseren Leute“ vorbehalten. Aber die Vogelwelt stand allen offen und so finden, wenn auch selten, neben kleineren „Happen“ wie Lerchen oder Drosseln auch solche ausgesprochenen „Spezialitäten“ wie Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Rebhuhn den Weg in die Mägen unserer Vorfahren. Längst aus der Landschaft verschwundenes Getier also, das die meisten von uns nur noch vom Hörensagen kennen, kaum wissend, wie es aussieht, geschweige denn schmeckt.

Anfang des 18. Jahrhunderts trat die Kartoffel ihren Siegeszug auch im Erzgebirge an, brachte mehr Abwechslung in die Ernährungsgewohnheiten, und wurde in unzähligen Varianten und mit den verschiedensten „Beigaben“ zum Hauptgericht im Erzgebirge bis heute.

[Home] [Prolog] [Erläuterungen] [Westerzgebirge] [Der Wald] [Die Feldflur] [Die Gewässer] [Das Dorf] [Haus & Garten] [Die Küche] [Epilog] [Weitere Info's] [Ihr Beitrag] [Rechtliches]