Dokumentation

Im Folgenden finden Sie Ausschnitte aus der im Rahmen des Projektes „Gebrauch der Landschaft“ erstellten Dokumentation.

Damit wollen wir Anschauungsbeispiele liefern, wie unsere Landschaft früher genutzt wurde und in welcher Form Sie im Teil „Ihr Beitrag“ zum Erhalt und zur Erweiterung des Wissens beitragen können.

Dabei geht es uns vor allem um die Tätigkeiten, die der Sicherung der Grundbedürfnisse des Menschen dienten, insbesondere der Ernährung. Dies betrifft die Landwirtschaft und Waldnutzung, aber auch die Selbstversorgung im privaten Bereich. Wichtig sind dabei, neben der Darstellung des Gebrauchs selbst, die Auswirkungen auf Aussehen und Zustand der Landschaft und die Spuren und Zeichen, die davon heute eventuell noch zu finden sind. Außerdem sind alle Formen der Weiterverarbeitung und Haltbarmachung (z.B. Essensbereitung, Einwecken, Trocknen) der aus der Landschaft gewonnenen Produkte von Interesse. Auch soll der Begriff Landschaft im weitesten Sinne verstanden werden, also einschließlich Dorf und Garten.

Wir würden uns über eine rege Beteiligung sehr freuen. Nach inhaltlicher Prüfung kann Ihr Beitrag, neben der Integration in die Dokumentation, auch im Internet im Rahmen dieser Beispiele gezeigt werden, wenn Sie das wünschen. Wir möchten damit eine Art Diskussionsplattform oder Forum für alle Interessenten bieten.

 

Die laufende Nummer dient zur Orientierung.
Durch Bezeichnung/Quelle wird die Herkunft des Textes deutlich gemacht.
Durch die aufgeführten Kategorien wird gekennzeichnet, mit welchem Thema oder welchen Themen sich der Beitrag beschäftigt.

Beispiele aus der Dokumentation:

1.
Bezeichnung/Quelle:
HECHT, C.H. (1778): Geschichte des Kursächsischen Bergfleckens Sosa im meissnischen Obererzgebirge. Johann Gottlieb Vierling, Hof und Leipzig.
Kategorien: Ernährung, Kräuter
Text:
Es wachsen mancherley herrliche Kräuter um Sosa, welche den Menschen und Tieren heilsam sind, und von den Arzneyhändlern gesucht, gekauft und zubereitet werden. Theils wachsen sie von Natur, theils werden sie gebauet. Es sind derselben eine grosse Menge. Es würde zu weitläuftig sein, sie alle anzuführen. Vorzüglich findet man folgende Kräuter in der hiesigen Gegend in einer grossen Menge, als Alant, Angelik oder heilige Christwurzel, Baldrian, Bärwurzel, Kardobenedikten, Chamillen, Rhabarber, oder viel mehr Rhapontik, Melissen, römischer Wermuth, Beyfuß, Löffelkraut, Eschwurz, Spikanard, Waldmeister, Schlehen, Thymian, Huflattig, Ehrenpreis, Geisbart, u. a. m.

2.
Bezeichnung/Quelle:
HECHT, C.H. (1778): Geschichte des Kursächsischen Bergfleckens Sosa im meissnischen Obererzgebirge. Johann Gottlieb Vierling, Hof und Leipzig.
Kategorien: Viehhaltung, Wald, Waldweide
Text:
Die Viehzucht ist schön. Eine ansehnliche Menge Rindvieh wird in den kurfürstlichen Wäldern um ein gewisses Hutweidegeld erhalten. Es ist aber die Waldfütterung sehr gut, gesund und nahrhaft, wegen der vielen heilsamen und balsamischen Kräuter, die in den hiesigen Wäldern wachsen, und die das Vieh zugleich frisset. Hierzu kommen die Lassräume, von welchen gegen einen mäsigen Waldzins das Winterfutter eingebracht wird... Butter und Milch ist daher wegen der vielen herrlichen Kräuter, darein das Vieh geweidet wird, sehr schmackhaft und gesund.

3.
Bezeichnung/Quelle:
RAT DER GEMEINDE ZSCHORLAU (Hrsg.) (1988): Zschorlau. Von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Kategorien: Dorf, Weide, Waldweide
Text:
Die Ortsanlage entspricht völlig einem fränkischen Waldhufendorf und ist als solches vermessen worden...Die Hufenstreifen sind schmal und der natürlichen Oberflächengestalt angepasst. Sie zogen sich hinter den Gütern, mit der Hauswiese beginnend, als Feld- und weiter als Waldhufe den Berg hinan, seitlich durch den Wirtschaftsweg begrenzt. Jede Hufe wurde durch einen Vermesser (Markwart) abgesteckt, gerodet und meist durch Los vergeben. Die hier übliche fränkische Hufe hatte 43-49 ar. Für Pfarre und gemeinschaftliche Dorfweide wurden zusätzliche Flächen ausgegliedert, ebenso Flächen für die gesamte Gemeinde.
Zschorlau hatte zwei Hutweiden, eine im Unterdorf (Viehtreibe) und eine im Oberdorf (Viehzicht/Fichzich), das Pfarrfeld bei der Pfarre, Wiesen bei der Totengrube und einige Waldstücke, besonders auf dem späteren Gemeindeberg (Communholz).

4.
Bezeichnung/Quelle:
ROSENFELD, D. (1810): Volks- und Casualreden.
Kategorien: Garten, Obst
Text:
Mit dem Ertrage unserer Gärten ist es nicht besser. Möhren, Pastinak, Petersilie, Salat, Kohlrabi, Kohl ist fast Alles, was wir an Gartengewächsen bauen; für zartere Gemüse ist unser Klima zu rau und der Boden zu mager. Der Obstbau ist bei uns unbedeutend. Unsere Strengkalten Winter sind den Fruchtbäumen äußerst ungünstig und befördern ihr zeitiges Absterben, so wie der scharfe Wind und Boden auch das Seinige zu Ihrem Mißgedeihen beitragen. Das wenige Obst, das etwa noch gebauet wird, ist kleiner, härter und weniger schmackhaft als das aus wärmern Gegenden, und sehr oft, wenn kein warmer Herbst ist, wenn die Kälte zeitig eintritt, werden Aepfel und Pflaumen nicht einmal reif.

5.
Bezeichnung/Quelle:
ROSENFELD, D. (1810): Volks- und Casualreden.
Kategorien: Acker, Viehzucht
Text:
Besonders suche auch der Begüterte unter unsern Mitbürgern den Getraidebau ergiebiger zu machen. Ein Mittel hierzu wird seyn, wenn er die Stallfütterung einführt, und daher Klee, der bei uns trefflich gedeiht, in hinlänglicher Menge aussäet. Dadurch bekömmt er nicht nur mehr Ertrag von seinem Melkvieh und mehr Düngung für seine Felder, bei deren Magerkeit die Früchte durch Düngung erzwungen werden müssen; sondern die Felder werden auch durch den Kleeanbau sehr verbessert. Er lege daher die gegen den Kleeanbau bisher gehegten Vorurtheile ab, als wenn dieser das Feld entkrafte, als wenn der Ankauf des Saamens zu viel koste. Die wenigen Taler, die er darauf verwendet, werden ihm reiche Zinsen bringen.

6.
Bezeichnung/Quelle:
WAGNER, H. (2004): Leben im Erzgebirge. Geschichten und vielfältige Erinnerungen an die Kindheit um 1900 in Schneeberg-Neustädtel. Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshofen.
 Kategorien: Ernährung, Kartoffel
Text:
Die Kartoffel, der Erdäppel, war das Hauptnahrungsmittel, und im Erzgebirge kannte man vielerlei Rezepte für ihre Zubereitung. Wir haben von dieser unentbehrlichen Erdfrucht den größten Teil selbst angebaut auf einem Acker von Onkel Gustavs Gut in Lindenau – und immer mit eigenem Dünger versehen. Für diese Ackerbenutzung und die erforderliche Spannarbeit, für das Aufreisen des Ackers und den Transport der Kartoffeln nach Neustädtel wurde zu gegebener Zeit, vornehmlich bei der Ernte, gefront, also mitgearbeitet.
Nirgendwo habe ich später so unterschiedliche und hervorragend schmeckende Kartoffelsorten kennen gelernt, wie sie damals im Erzgebirge für die vielerlei köstlichen Kartoffelgerichte gebraucht wurden. Die Kartoffel war nicht die ergänzende Beilage einer Mahlzeit, sondern Ausgangs- und Mittelpunkt vieler einfacher Speisen, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Nur einige davon will ich beschreiben:
Krönung der Kartoffelgerichte waren wohl die Grünen Klöße, es mögen erzgebirgische, vogtländische oder thüringische gewesen sein. Sie wurden aus rohen, geriebenen Kartoffeln zubereitet. Zu meiner Zeit waren griene Glies (Grüne Klöße) das Sonntagsessen in den meisten Familien des Erzgebirges, dazu gab es Bratenfleisch jeder Art. Dieser sonntägliche Aufwand mag schuld daran gewesen sein, dass Hausfrauen den Sonntagvormittag in der Küche verbrachten, während die Ehemänner den Kirchgang antraten.
Wenn auch wochentags einmal Klöße zubereitet wurden, gab es Millichsud dazu, eine dircke Soße aus Milch und Mehl mit gebräunter Butter. Vater, der gern Späße machte, baute jahrelang einige Kartoffelstöcke an, deren Knollen eine dunkelviolette Farbe hatten. Davon ließ er gelegentlich einige Knollen dem Kloßteig beimischen, so dass die Klöße marmoriert auf den Tisch kamen.
Ein beliebtes Gericht waren - und sind heute noch – die Fratzen. So hießen im Erzgebirge die Kartoffelpuffer. Zu Fratzen, knusprig, gebraten, wurde eine kalte, kräftig gewürzte Milch-Zwiebelsoße gegessen. Oder es gab Heidelbeeren bzw. Apfelmus dazu, wie es die Jahreszeit gerade ergab.
Vergessen sind manche Kartoffelgerichte, die uns als Kindern besonders gut schmeckten und bei deren Zubereitung wir mithelfen durften. Zum Lockerkloß wurden gekochte Kartoffeln gerieben, mit etwas Salz vermischt, in eine gefettete Eisenpfanne gestreut und auf einer Seite braun gebacken. Der Lockerkloß hieß auch rauhe Mahd, rauhes Mädchen. Und für den Röhrenkuchen wurden gekochte und geriebene Kartoffeln mit etwas Mehl und Salz gemischt. Zum Fladen ausgerollt, legte man ihn auf die heiße Platte in der Ofenröhre und bräunte ihn auf beiden Seiten. Mit Butter und Apfelmus bestrichen oder mit Zucker und Zimt bestreut und zusammengerollt schmeckten die Röhrenkuchen delikat.
Des öfteren gab es Pellkartoffeln mit Quark, der kräftig gewürzt und mit klein geschnittenen Zwiebeln zubereitet wurde. Auch zu frischer Wurst nach dem Hausschlachten wurden Pellkartoffeln gegessen.
Wir Kinder hatten eigene Rezepte erfunden und ausprobiert, wobei natürlich wiederum Kartoffeln die Hauptrolle spielten. So teilten wir die getrockneten Knollen der Länge nach, rösteten sie auf der Herdplatte und verzehrten sie mit Butter und Salz. Bei der Kartoffelernte unterhielten wird mit dem getrockneten Kartoffelkraut ein Feuer und warfen Kartoffeln hinein. Später holten wir sie aus der Asche heraus, entfernten die verbrannte Schale und verzehrten sie mit großem Appetit. Wir waren stolz auf die getane Arbeit.

7.
Bezeichnung/Quelle:
WAGNER, H. (2004): Leben im Erzgebirge. Geschichten und vielfältige Erinnerungen an die Kindheit um 1900 in Schneeberg-Neustädtel. Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshofen.
 Kategorien: Ernährung, Viehhaltung, Schwein
Text:
Das Schweineschlachten war ein Fest, eben ein Schlachtfest. Für unsere große Familie wurde alljährlich ein Schwein geschlachtet, um die Fleischfrage lösen zu helfen. Es waren ja reichlich Küchenabfälle vorhanden, die man unter Hinzufügung von Mastfutter gut verwenden konnte.
Meine Mithilfe in der Aufzucht bestand darin, Kartoffeln zu stampfen oder das Tier bei seinem regelmäßigen Auslauf im Hof zu beaufsichtigen. Dabei habe ich es gelegentlich mit einer großen Wurzelbürste bearbeitet. Das hat es mit größter Befriedigung aufgenommen.
Sollte das nicht zu fett gefütterte Schwein geschlachtet werden, waren allerlei Vorbereitungen zu treffen. Vor allem musste der Fleischbeschauer bestellt werden, der das Tier beschaute und dann zum Schlachten freigab. Nach dem schlachten musste er das Fleisch nochmals, das heißt, es mit dem Mikroskop untersuchen, ob es frei war von Trichinenbefall. Ich freute mich immer, wenn ich dabei auch durch das Mikroskop sehen durfte.
Die Leiter zum Aufhängen des Schlachtschweins war vorhanden und aufgestellt, den großen Brühtrog und das notwendige Handwerkszeug sowie allerlei Gewürze brachte unser Fleischer mit. Weil das Schweineschlachten gewissermaßen den Abschluss einer Arbeitsleistung darstellte und Gäste dazu eingeladen waren, sprach man eben von einem Schalchtefest. Bei uns nannte man es aber auch Krumbaa, wohl nach dem Krumpholz genannt, das zum Aufhängen des geschlachteten Tieres diente. 
In einem großen Kessel wurde das Wellfleisch gekocht. Der Fleischer zerlegte es in große Scheiben, und alle verfügbaren Hände zerschnitten es in Würfel für die Wurstherstellung. Da konnte auch ich mittun. Man durfte auch von allem kosten, aber was kann ein kleiner Magen schon fassen bei einem solchen Überangebot.
Wenn es dann am Abend grüne Klöße gab, im Wurstkessel gekocht, dazu Sauerkraut und frische Wurst, war kein großer Appetit mehr vorhanden.
Beim Kochen der Würste war eine köstliche Brühe entstanden, die noch durch geplatzte Würste angereichert war, die man zu prall gefüllt hatte. Diese Wurstbrühe war sehr begehrt, auch von den Nachbarn, die ihre Krüge schon bei uns abgestellt hatten, um ja nicht vergessen zu werden. Das nicht zur Wurstherstellung benötigte Fleisch kam in einer Pökelfass mit Schraubverschluss.
Nach der Entnahme von Speck und Schinken verblieb der Rest des Schweins in der Lake und wurde nach und nach als Pökelfleisch verbraucht.
Würste, Schinken und Speck kamen in die vorzügliche Rauchkammer (Räucherkammer) unseres Bäckermeisters Brettschneider zum Konservieren. Schließlich wurden sie im Elternhaus an Stangen aufgehängt. Trotz vermeintlichem Vorrat erfolgte die Zuteilung sparsam, das Jahr war noch lang. Es wäre uns aber auch nicht eingefallen, in die Domäne elterlicher Zuständigkeit einzubrechen.

8.
Bezeichnung/Quelle:
MAGISTER GEORGE KÖRNER GESELLSCHAFT E.V. (Hrsg.) (2003): Schriftenreihe der Magister Körner Gesellschaft, Band 6. Bockau.
Kategorien: Kräuter
Text:
Auf S. 15-31 beschäftigt sich Uta Schürer in ihrem Beitrag „Das Laborantenwesen im Erzgebirge – ein Streifzug“ mit der Geschichte dieses Gewerbes in unserer Region.
Auf S. 17-18 berichtet sie über Johannes Mathesius (1504-1565), Pfarrer von St. Joachimsthal, der in seinen Predigten u.a. Ratschläge zur Heilung und Vorbeugung von Krankheiten gab:
„Sehr eindringlich empfiehlt er eine Hausapotheke und hält dabei folgende Bestandteile für unerlässlich: Wacholderbeeren, Raute, Wermut, carduum Benedicti, Heidelbeeren, Hasenschmalz, Rosenwasser, Nelken, Essig, Honigseim, Lilienöl, Theriak, Schlagwasser, Bibergail, Bibernell, Alant, Buglossen, Borretsch, Anisöl...
Allgemein rät er: „Dem Haupt und Gehirn sind gut Majoran, Quendel und Rosen, den Zähnen Bertram (Geiferwurz). Gegen Mundgeschwüre eignet sich Salbei, gegen Zahnfleischentzündung Meerzwiebel, gegen Halsschmerzen Maulbeer und Prünellen (getrocknete entsteinte Pflaumen), bei Augenleiden Fenchel und Augentrost.“ Für Erkrankungen der Brustorgane hält Mathesius Ysop und Mariendisteln für heilsam. Bei Herzleiden helfe Rosmarin oder Veilchen. „Erkaltete Leber“ könne mit Wermut, „hitzige Leber“ mit Endivia und Rosen geheilt werden. Milzleiden sollen durch Lavendel behoben werden, Nierenleiden durch Rainfarn und Petersilie, Seitenweh durch carduum Benedicti. Auf offene Wunden lege man Tausendgüldenkraut, Hundsmelde vermag Schwären zu beseitigen, gegen Krampfadern brauche man Malve und bei Vergiftungen helfe Raute.“ 

9.
Bezeichnung/Quelle:
MAGISTER GEORGE KÖRNER GESELLSCHAFT E.V. (Hrsg.) (2006): Schriftenreihe der Magister Körner Gesellschaft, Band 9. Bockau.
Kategorien: Gehöft, Garten, Essen, Holznutzung
Text:
Auf S. 46-48 wird von Jochen Härtwig die Altersvorsorge vor 175 Jahren beschrieben. Er führt dazu ein interessantes Beispiel aus dem Jahr 1829 an, das auch interessante Einblicke in Haus und Hof in dieser Zeit gewährt:
„Christian Ehregott Merkel sen. (1770-1856) bedaß ein Vorwerk, ein mittleres Bauerngut bei Schwarzenberg. Er hatte es 1804 von seinem Schwiegervater übernommen. 1829 verkaufte er das Gut an seinen Sohn, an Christian Ehregott jun. Obwohl er offenbar noch rüstig war – er lebte noch über 20 Jahre und sicherte sich auch die Wirtschaftsführung für sechs Jahre nach dem Verkauf -, wollte er anscheinend die Dinge rechtzeitig klären. Vielleicht brauchte auch die Tochter eine finanzielle Hilfe.
Der Kaufvertrag zwischen Vater und Sohn nennt eine Kaufsumme von 1800 Talern für das gesamte Anwesen einschließlich Vieh und Inventar... Der Vater bedingt sich für sich und seine Frau freies Wohnrecht aus und zwar die Oberstube und Kammer über dem Stall und einen Platz am dritten Fenster in der Unterstube. Den Eltern wird vom Sohn zugesichert, sich auf eigene Kosten eine weitere „Kammer auf dem Oberboden zwey Treppen hoch neben der Treppe linker Hand“ ausbauen zu lassen.
Die Eltern sollen jährlich sechs Scheffel Korn (1 Scheffel = 207,66 l), ein und ein halb Scheffler Weizen und Kartoffeln nach Bedarf erhalten, dazu 50 Pfund Schweinefleisch, den dritten Teil vom Obst und drei Schock Krauthäupter (1 Schock = 60). Es wird ausdrücklich vermerkt, dass die Eltern Kartoffeln nicht verkaufen dürfen.
Für die Feuerung soll der Sohn jährlich zwei Klafter Holz (1 Klafter = 4 Kubikmeter), zwei Schragen Stöcke (1 Schragen = 9 x 3 x 3 Ellen; 1 Elle = 56 cm) und zwei Schock Reisig schlagen und hereinfahren lassen. Auch der Platz, wo das Holz gelagert werden soll („neben den Fenstern im Hof“) wird festgelegt. Allerdings kann die Abgabe des Holzes nur dann verlangt werden, wenn die Eltern die Oberstube heizen, sich also dort aufhalten werden.
An Geld soll der Vater wöchentlich 12 Groschen bekommen. Ferner kann er sich aus dem Viehbestand eine Kuh heraussuchen, für deren Futter allerdings der Sohn zu sorgen hat. Außerdem stehen den Eltern zwei Beete im „Kleinodgarten“ (Garten neben dem Haus) zu, zwei „Mäsel gedüngtes Feld“, um Angelika anzubauen.“

10.
Bezeichnung/Quelle:
MAGISTER GEORGE KÖRNER GESELLSCHAFT E.V. (Hrsg.) (2007): Schriftenreihe der Magister Körner Gesellschaft, Band 10. Bockau.
Kategorien: Wald, Holznutzung, Jagd
Text:
Auf S.134-138 finden wir den Artikel von Günther Lang „Forstgesetzgebung im Hohen Westerzgebirge bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts“.
In diesem Artikel werden verschiedene Aussagen des Artikels von Lang in Heft 4 der Schriftenreihe der Magister George Körner Gesellschaft vertieft und konkretisiert. Dies betrifft vor allem die beiden wesentlichen Holzordnungen in Sachsen. Auch vor diesen Holzordnungen gab es schon Bemühungen der Grundherrschaften, den Raubbau am Wald zu verhindern oder zumindest einzuschränken. Diese in Sachsen „Rugen“ genannten Waldordnungen fanden aber vor allem wegen der örtlichen und zeitlichen Begrenzungen und der Abstellung auf die jeweiligen örtlichen Verhältnisse nicht die erhoffte Beachtung.

Über die von Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige 1534 erlassene erste Holzordnung für das Amt Schwarzenberg schreibt Lang:
„Sie bestimmte in erster Linie den Verbrauch von Brenn- und Floßholz für die Kommunen. Wenig später wurde sie durch eine Kohlordnung ergänzt, die das „Äschern“ regelte. Das Kohlebrennen war eine der Hauptursachen für die Waldverwüstungen seiner Zeit. Nachdem ein Verbot der Meilerei 1533 gescheitert ist, wurden dafür nur die schwer zugänglichen „hinteren Welde“ freigegeben.“

Schon 1547 erließ der Nachfolger Kurfürst Moritz die nächste Holzordnung, die zusätzliche administrative Anordnungen zur Regelung des Jagdwesens enthielt. Als Kontrollorgan schuf Kurfürst Moritz mit dem Jägermeister einen neuen Aufsichtsposten, der die Forstbeamten beaufsichtigen sollte.

1560 erschien dann die viel gelobte „Holzordnung im Gebürgischen Creiße“, deren wesentliche Inhalte Lang folgendermaßen kennzeichnet:
„
1. Angeordnet wurde eine „vor und vor gleich wehrende Hutzunge“, d.h. eine Strategie gleichmäßiger jährlicher Holzentnahme zur Sicherung des künftigen Bedarfs. Diese Handlungsweise wird in der forstlichen Terminologie als „Nachhaltigkeit“ bezeichnet.
2. Sie enthält klare Anweisungen zum sparsamen Holzverbrauch. Der Bau von Holzhäusern ohne massiven Steinunterbau war prinzipiell verboten. Der angemeldete Holzbedarf sowie die bedarfsgerechte Verwendung wurde „von Unser Amts-Verwalter und Ober-Förster in Beysein Richter und Schöppen jedes Dorffs“ überprüft.
3. Das Sammeln von Leseholz wurde geordnet organisiert.
4. Holzbedarfsansprüche der Bevölkerung konnten zweimal im Jahr „bey denen Frühlings= und Herbst=Förstereyen“ geltend gemacht werden. Dort waren auch Verkaufs- und Nutzungsmodalitäten festgeschrieben.
5. Die Forstordnung von 1560 regelte den Einsatz „freier“, „gelernter“ und „geschworener“ Holzschläger. Sie nahmen eine Sonderstellung unter den „Amts-Unterthanen“ ein.
6. Sie enthielt umfangreiche Bestimmungen in bezug auf eine pflegliche Waldbehandlung. Vorgeschrieben wurde eine flächenhafte Konzentration der Nutzung. Grundsätzlich verboten war das „verwüsten“ und „planloses verhawen“ sowie die „lochweisen“ Fällungen. Zwingend angeordnet wurde der Überhalt von Samenbäumen für die natürliche Verjüngung der Bestände.
7. Die Forstordnung war für den gesamten Wald verbindlich, unabhängig von den verschiedenen Besitzverhältnissen. Das betrifft sowohl die Grundsätze zur Pflege als auch der Nutzung. Private Waldbesitzer, wie z.B. die Bauern, durften nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Oberförsters Holz in ihrem Wald einschlagen. Diese wurde nur erteilt, wenn „...jemands unter ihnen der Dürfftigkeit wäre, dass er umb seines Unterhalts Willen etwas aus seinem eigenen Holtze verkaufen müßte“, und war beschränkt auf „entzein wandelbare und überständige Stämme“. 
8. Nach der Forstordnung waren Verjüngungen zu schonen, bestimmte Baumarten zu schützen, die Wälder hinsichtlich ihrer Nutzung in Schläge einzuteilen (Vorläufer des „Flächenfachwerks“, einer von Heinrich Cotta begründeten Ertragsregelungsmethode) und bestimmte Umtriebszeiten einzuhalten. Besondere Vorschriften regelten jagdliche Belange und Forderungen.
Dieses Gesetzwerk hat die Entwicklung des Forst- und Jagd-Wesens, wenn auch öfters neu gefasst und aktualisiert, bis ins 19. Jahrhundert bestimmt. Es enthielt nicht nur alles, was forst- und jagdwirtschaftlich zu regeln war, sondern auch das gesamte forstliche Fachwissen der damaligen Zeit. Leider erlitt diese positive Entwicklung derbe Rückschläge durch den 30jährigen Krieg. Fast ein Jahrhundert lang verhinderten die Folgen dieses Krieges die Weiterentwicklung der Forstwirtschaft. Erst im Zuge der forstlichen Aufklärung, etwa von 1763-1806, hat es die Wissenschaft übernommen, allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten des Waldes zu erforschen und diese auch in eine moderne Forstgesetzgebung einzubringen. Die „Königlich-Sächsische-Forstakademie“ in Tharandt hat diesbezüglich eine Vorreiterrolle wahrgenommen.“ 

11.
Bezeichnung/Quelle:
MÖCKEL, U. (2005): Neuhaus.
Kategorien: Landschaft, Dorf, Haus
Text:
Die Häuser standen einzeln verstreut in ihrem landwirtschaftlichen Grundstück, fast jede Familie bewohnte ihr eigenes kleines Haus, Mietsleute gab es ganz wenige. Die Häuser alten Stils waren aus Holz gebaut, der mit dem Haus verbundene Stall aus Granitsteinen. Über den Räumen war der Heuboden, der im Winter warm hielt. Daneben stand das ‘Wasserhäusel’, in welchem in einem gezimmerten Holztrog das Wasser durchfloss und die Milch in den Milchtöpfen aufbewahrt wurde, bis sie der Händler abholte. Hinter dem Haus der Holzplatz, wo das von Jung und Alt heimgeholte Holz kleingemacht wurde. Im Herbst zeugten dann die runden, meilerförmig aufgeschichteten Holzstöße vom Fleiß des Holzmachers, denn Kohle wurde früher wenig gekauft.

12.
Bezeichnung/Quelle:
MÖCKEL, U. (2006): Frühbuß.
Kategorien: Feldflur, Dorf, Viehhaltung, Waldweide
Text:
Frühbuß hat im Jahre 1654 53 Häuser und ca. 265 Einwohner. Vieh: 2 Pferde, 72 Kühe, 26 St. Galtvieh, 49 Ziegen. Im Jahre 1857 waren 1299 Einwohner, im Jahre 1837/38 1397 Einwohner, 261 bestehende Hausnummern mit tatsächlich vorhandenen 245 Wohngebäuden. Im Jahre 1936 waren in der Gemeinde 136 Kühe, 2 Stiere, 14 St. Galtvieh, 140 Ziegen, 16 Pferde. Im Jahre 1933 hatte die Gemeinde ein Gesamtausmaß vor 1430 ha, davon gehörte der Domäne – staatliche Forstverwaltung Graslitz 1043 ha, verblieben für die Gemeinde 387 ha.
Die größten Hauswirte waren Venanz Gerber Nr. 117 und Magdalene Gerber Nr. 19 mit je über 7 ha Grundbesitz. In früheren Zeiten war der Bewohnerschaft die Viehhaltung leicht gemacht. Damals hat die Herrschaft das Viehweiden in ihren Waldungen noch geduldet. Es war eine Gemeindehirt bestellt, welcher über den ganzen Sommer das Vieh in die Waldungen zur Weide trieb. Zu meinem Aufwachsen hat das Häusl Nr. 42 noch immer das Hirtenhäusl geheißen. Die anschließend große Wiese heißt noch heute Hirtengarten, war wahrscheinlich das Gemeindedeputat für den Hirten. In der späteren Zeit wurde der Hirtengarten dem Stierhälter als Deputat überlassen. Für die Erlaubnis der Waldweide mussten die Untertanen der Herrschaft Frondienste – Robott – leisten. Beim Einfechsen der herrschaftlichen Wiesen, bei der Jagd als Treiber, teilweise auch bei der Waldaufforstung.

13.
Bezeichnung/Quelle:
MÖCKEL, U. (2006): Frühbuß.
Kategorien: Feldflur, Acker, Ernährung, Kartoffel
Text:
Die Kartoffel war so ziemlich die einzige Frucht, die auf den rauen Hängen des Erzgebirges noch einigermaßen lohnende Erträge brachte. Dass diese köstliche Frucht durch Pater Josef Daniel Mayer von Prag her nach Frühbuß gebracht wurde, wissen wir aus einem der früheren Heimatbriefe. Diese edle Tat war für Frühbuß und die Orte der näheren und weiteren Umgebung von ungeheuerer Bedeutung. Durch den Kartoffelanbau wurde der Hunger aus den Hütten der arbeitslosen Bergleute vertrieben.
Heute wollen wir uns noch einmal ganz kurz ins Gedächtnis zurückrufen, wie daheim der Kartoffelanbau gehandhabt wurde.
Wenn im Frühjahr der Schnee weggegangen war, wurden die Felder mit dem Holzpflug ausgafercht (umgeackert). Als Zugtiere wurden Kühe verwendet. Sie trugen noch das heute längst abgeschaffte Stirnjoch und mussten sich schwer plagen. Die wenigen Pferde des Ortes besorgten die Holzabfuhr aus den Wäldern. Die frischen Furchen wurden mit Stallmist gefüllt, auf den die mit der Hand ausgeklaubten (verlesenen) Saatkartoffeln gelegt wurden. Anschließend wurden sie eingeackert. Schöne gleichmäßige Furchen zu haben, war der Stolz eines jeden Ackermannes.
Nach 4 – 5 Wochen wurden die Kartoffeln geschlichtet. Das Schlichten geschah in der Weise, dass mit der Schlichtal (Egge) über die Beete gefahren und damit die spitzen Kämme eingeebnet wurden. Diese Arbeit hatte den Zweck, das aufgehende Unkraut zu vernichten und den Grunern (Kartoffelkeime) den Durchbruch durch die sandige Erde zu erleichtern. Anschließend wurden die Kartoffeln gehackt. Dazu verwendete man eine Haue, die verschieden geformt sein konnte und Hala genannt wurde. Durch das Hacken sollte das beim Schlichten übriggebliebene Unkraut völlig vernichtet werden. Dabei kam es vor, dass durch unsachgemäßes Hacken die jungen Kartoffeln schwer beschädigt wurden und lange Zeit kümmerten. Nach weiteren 8 – 10 Tagen mussten da Adepl nagastrichn wan. Heute sagen wir zu dieser Arbeit häufeln. Als Werkzeug diente der Hogn. Er war eine Art Pflug mit zwei Streichbrettern. Mit dem Naputzn war die Feldarbeit bis zur Ernte ziemlich beendet.
Zu Laurenzi (10. August) sei de Adepl gaschittlt wurn. Von der Kerwawoch (Bartholomä am 24. August) a wurden regelmäßig neue Kartoffeln vom Felde geholt. Vorher brachten sie die Bauern aus Hermannsgrün, Scheft und Oedt. Das war jedes Mal eine Freude, wenn die mehligen Früchte mit gebratenen Schwämmen auf den Tisch gebracht wurden. Damit war das hungrige Vierteljahr, so nannte man die kartoffellose Zeit von der Saat bis zur Ernte, endlich vorbei.
Um Wenzelslaus (28. September) mussten die Kartoffeln ausgegraben sein, wollte man nicht Gefahr laufen, dass sie eingeschneit wurden. Der Winter stellte sich im Erzgebirge bekanntlich zeitig ein. Zum Adeplgrom wurden alle arbeitsfähigen Familienmitglieder eingesetzt. Nachbarn und Verwandte halfen mit. Die Kinder zündeten da Feierla a un ham Adepl gabron. Die warn fei gut! Mir schmecken sie heute noch, wenn ich daran denke. Nicht umsonst sagte der Dichter G. Chr. Dieffenbach: ‘Ei, das war ein fein Gericht, ein Kartoffelbraten! So was hat der Kaiser nicht, wenn sie gut geraten.’
Am Abend wurden die vollen Kartoffelsäcke heimgefahren und in den Keller gebracht. Die Ernteergebnisse waren trotz der aufgewendeten Mühe und Arbeit meist sehr bescheiden. Welches war wohl die Ursache für die geringen Ernteerträge? Es lassen sich folgende Gründe anführen: Das Klima unserer Heimat war für den Feldbau zu rau und zu feucht. Die Wachstumszeit war zu kurz. Die Früchte konnten daher nicht voll ausreifen. Der Boden war trotz der alljährlichen Düngergaben sehr mager und steinig. Ihm fehlte vor allem der Kalk. Felder, Wiesen und Wälder waren übersäuert. Das Saatgut wurde alle Jahre aus der eigenen Ernte genommen und auf den gleichen Boden gepflanzt, was aber die Kartoffel gar nicht liebt. Kein Lebewesen kann auf die Dauer im eigenen Unrat gedeihen. Ein regelmäßiger Fruchtwechsel war infolge der Landknappheit nur in den seltensten Fällen möglich. Was die Natur in anderen Landstrichen unsres Vaterlandes ohne große Müheaufwendung den Bewohnern gibt, mussten sich unsere Vorfahren im Schweiße des Angesichtes sauer verdienen. Mit dankbaren und gläubigen Herzen nahmen sie die spärlichen Gaben der Felder entgegen und schätzten sie als eine wahre Gottesgabe.
Erst nach dem 1. Weltkrieg wurde durch den Raiffeisenverein und durch den Kleinhäuslerverein neues und meist besseres Saatgut eingeführt und dadurch die Erträge etwas gesteigert. Leider kam durch die unkontrollierte Einfuhr fremden Saatgutes auch der Kartoffelkrebs auch nach Frühbuß und in viele andere Orte. Die Größe dieser Gefahr wurde anfänglich nicht erkannt und daher auch nicht ernst genommen. Der Kartoffelkrebs verbreitete sich sehr rasch und verursachte von Jahr zu Jahr größere Ernteausfälle.
Für eine ausreichende Bodenverbesserung durch Kalken und Kunstdüngergaben fehlten die finanziellen Mittel. Der damalige Staat sah es nicht ungern, dass die Landwirte trotz aller Mühe und allen Fleißes von Jahr zu Jahr mehr abwirtschafteten.

14.
Bezeichnung/Quelle:
GROß, E. (2003): Waschleithe.
Kategorien: Feldflur, Acker
Text:
Die Nutzung der Felder erfolgte über lange Zeit als Dreifelderwirtschaft.
1.Feld: Hafer
2.Feld: Korn oder Gemenge aus Hafer und Korn.
3.Feld: Brache
Dann wurde gewechselt. Auf die Brache kam Hafer usw. Nach Einführung des Kartoffelanbaus kam es zur Vierfelderwirtschaft.
1.Feld: Hafer
2.Feld: Kartoffel
3.Feld: Korn
4.Feld: Brache
Anfangs wurden die Felder, da man nur den Stachelpflug kannte, kreuz und quer aufgerissen. Als der eiserne Hakenpflug aufkam, pflügte man nur nach einer Richtung mit Leerfahrt zurück, noch später dann mit dem Wendepflug. An beiden Enden des Feldes entstand die Anwand, die zum Schluss quer aufgepflügt wurde.“

15.
Bezeichnung/Quelle:
GROß, E. (2003): Waschleithe.
Kategorien: Kleinstrukturen, Wege
Text:
Nach dem Abschluss der mittelalterlichen Besiedelung hatte sich in Waschleithe ein den lokalen Bedürfnissen ein entsprechendes Wegenetz herausgebildet. Die Wege, die die einfachen Hufenstreifen im Hinterdorf verbanden, die Wege, die zu den abgelegenen Feldern – zum Teil auf dem gegenüberliegenden Hang – führten sowie die Wege des Viehes zur Waldweide stellten ein erstes örtliches Verbindungssystem dar. Da Waschleithe von jeher eng an Grünhain gebunden war, sind auch Wege dahin von Anfang an vorhanden. Wege, vor allem Fahrwege, zu anderen Orten der Nachbarschaft existierten zunächst nicht. Es war damals üblich, Fahrwege über die Höhen zu führen, ohne Rücksicht auf Steigung und Gefälle, also nicht durch die unsicheren Täler. Nur dort, wo der Weg von Höhenrücken zu Höhenrücken führte, wurde das Tal durchquert, und zwar an einer Furt, einer seichten Stelle des Baches. Brücken gab es im Tal des Oswaldbaches erst an dem 19. Jahrhundert...   
Die Straße von Beierfeld über Waschleithe nach Schwarzbach ist Teil des königlich-sächsischen Straßennetzes, das Anfang des 19. Jahrhunderts planmäßig angelegt und ausgebaut wurde, später als Landstraße III. Ordnung bezeichnet. Sie erhielt als ‘Kunststraße’ über dem aufgeschütteten Unterbau die damals übliche Beschotterung mit Packlager aus Bruchsteinen, eine gewölbte Decke aus Klarschlag und Sand, Straßengraben und Straßenbäume. Alle anderen Wege waren unbefestigt und wurden selbst im örtlichen Bereich nur bei dringenden Bedarf ausgebessert. Die Wege, die steil auf- bzw. abwärts führten, waren nach kurzer Zeit ausgefahren, von den Hemmschuhen ausgerachelt und vom Regen ausgespült, so dass sie sich immer tiefer in den Hang einschnitten und heute noch als Hohlwege erkennbar sind. Dies sind im Ortsbereich der (untere) Osterlammer Weg, die Beierfelder Straße und die alte Raschauer Straße, die im Wald rechts neben der heutigen Straßenführung mehrere fast parallele Hohlwege hat, da man bei Unbefahrbarkeit des bisherigen einen neuen Weg daneben anlegte, der sich aber auch bald wieder tiefer einschnitt.
Kein Wunder, wenn geklagt wurde: ‘Wege sind dermaßen wandelbahr, daß sowohl des Tags als nachts mit der größten Leibes und Lebensgefahr darüber zugeben u. zufahren.’ Für die Benützung der Straßen war ein Wegegeld (Wegegeleit) zu zahlen.

16.
Bezeichnung/Quelle:
SCHARF, K. u. H. (Hrsg.) (1996): Jugel. Ein Gebirgsdorf im Wandel der Zeit. Werbeagentur Preis, Johanngeorgenstadt.
Kategorien: Feldflur, Viehhaltung, Obst
Text:
Landwirtschaft wurde in hiesiger Gegend meist nur als Nebenerwerb betrieben. So nennen die Familientabellen des Amtes Schwarzenberg im Jahre 1701 in Jugel nur einen Bauern und 24 Häusler. 44 ½ Fuder Wiese wurden bewirtschaftet. Von den im 18. Jahrhundert zu Eheschließungen obligatorischen Obstbaumpflanzungen war unsere Gegend befreit, ‘weil sie wegen der Witterung nicht fortkämen.’
Eine Volkszählung von 1882 ergab, dass von 49 Haushalten 34 eine Landwirtschaft hatten. Meist mussten Frauen und Kinder tagsüber diese Landwirtschaft versorgen.
Die Gesamtfläche der Flur von Jugel betrug 1900 132 Hektar und 50 Ar. Angebaut wurden vor allem Kartoffeln, Hafer und Sommerroggen. Einen kleineren Anteil machten Winterroggen und Klee als Futterpflanze aus. Die Fläche der Wiesen betrug 1927 97 Hektar und 62 Ar.
In Jugel gab es zu dieser Zeit vor allem Kirsch-, aber auch vereinzelt Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume; sicher trugen sie nicht jedes Jahr Früchte.
Bei einer Zählung von 1881 gab es in Jugel noch keine Pferde, was für arme Betriebe spricht; Kühe und Ochsen dienten als Zugtiere. 1892 gab es dann zwei Zugpferde. Von 1886 bis 1909 schwankte die Zahl der Rinder zwischen 73 und 121 Stück, meist waren es etwa zwei pro Hof.
Die viehbesitzenden Landwirte hatten ab 1907 eine Viehseuchenentschädigung für Pferde und Rinder zu zahlen.

17.
Bezeichnung/Quelle:
Befragung von Friedrich Klaus am 21.03.07
Kategorien: Kleinstrukturen, Weg, Viehhaltung
Text:
Vor und während des zweiten Krieges gab es in Eibenstock einen Straßenwärter, der für alles, was mit einem ordentlichen Zustand der Straße zusammenhing, verantwortlich war: Streuen und Schneeschaufeln im Winter, Beseitigung von Hindernissen, Entfernung von Pferdeäpfeln und Kuhfladen usw. Zu seinen Aufgaben zählte auch die Betreuung der Straßenränder. Dazu kam er jedes Jahr zu den beteiligten Familien und fragte, ob sie wieder den Straßenrand nutzen wollen. Wenn ja, musste dafür eine kleine Gebühr gezahlt werden. Der Straßenwärter achtete genauestens darauf, dass keine Unkräuter am Straßenrand aufwuchsen. Dazu zählten Brennnesseln, Disteln, Farne, Beifuss, Rainfarn. Wenn er Unkraut sah, wurde es sofort ausgerissen. Das Futter von den Straßenrändern wurde vom Vieh ausgesprochen gerne gefressen.

18.
Bezeichnung/Quelle:
Befragung von Friedrich Klaus am 21.03.07
Kategorien: Obst, Obstwiese, Garten
Text:
Herr Klaus hat den Eindruck, dass es mit der Qualität des Obstes viel schlechter geworden ist und kaum noch Obstbäume bewirtschaftet werden. Sie selbst hatten früher Apfel-, Birn-, Pflaumen- und Kirschbäume im Garten mit vergleichsweise guten Ernten (4 Zentner Äpfel am Baum). Es wurde vorwiegend selbst verbraucht, Pflaumen auch manchmal an einen Bäcker verkauft. Zu DDR-Zeiten wurde es auch abgegeben gegen gute Bezahlung.
Ein Nachbar hatte damals etwa 50 Obstbäume aller Art, die er sorgfältig bewirtschaftete.

19.
Bezeichnung/Quelle:
Befragung von Gotthard Kraus am 20.07.07
Kategorien: Jagd, Wild, Obstallee, Obstwiese
Text:
Zunächst wurde noch einmal auf die Jagd zu DDR-Zeiten in den 70er und 80er Jahren eingegangen. Damals standen Rotwildgruppen um die 100 Stück auf den Jugler Wiesen. Ein anderer Bewohner hätte sogar einmal 140 Stück gezählt. Die Verluste an Grünfutter wären unproblematisch gewesen, weil das Sache der LPG war. Das Rotwild zerstörte aber auch die Bäume im Ort fast völlig. In den 70er Jahren wurde einmal zur Aufwertung von Natur und Umwelt auf Initiative des Bürgermeisters Schneidenbach Edelebereschen an den Straßen und Wegen im Ort gepflanzt, über 200 Stück, also eine sehr arbeitsaufwändige Angelegenheit. Diese Pflanzung wurde vom Rotwild komplett zu Nichte gemacht. Es sind wohl heute noch 3 Bäume von diesen Ebereschen vorhanden. Auch die Obstbäume, vorwiegend Kirschen und Pflaumen, wurden in Mitleidenschaft gezogen. Das Vieh lagerte teilweise im Garten und war so zahm, dass er es einmal mit Briketts beschießen musste, ehe es sich verzog.
Es wurden Füttereinrichtungen in der Größe von kleinen Häusern gebaut, die dann beispielsweise mit W50-Ladungen Futterrüben bestückt wurden.
In diesem Jahr sieht man etwa 3 bis 5 Hirsche. Die weiblichen Tiere sind zur Zeit wegen des Nachwuchses noch nicht zu sehen.

20.
Bezeichnung/Quelle:
Befragung von Erhard Reuter am 25.07.07
Kategorien: Wiese
Text:
Auf den Wiesen wurde Heu und Grummit gemacht, je nach Witterung begann die Heuwerbung Anfang Juni bis Anfang Juli, das Grummit war im August oder September an der Reihe. Es wurde frühmorgens gemäht und dann gleich aufgestreut. Am nächsten Tag wurde vormittags und nachmittags gewendet. Am nächsten Tag vormittags noch einmal gewendet, nachmittags geschwadet und eingefahren. Das alles natürlich nur, wenn das Wetter mitspielte. War das nicht der Fall, so wurde das Heu auch gehäufelt und bei Wetterbesserung wieder aufgestreut. Nach Meinung von Herrn Reuter schafft man mit der Handsense etwa 20 ar am Tag, allerdings hängt das sehr vom Standort und vom Futter ab. Mit der Mähmaschine, die von Ochsen gezogen wurde, schaffte man einen halben Hektar in anderthalb oder zwei Stunden, wenn alles gut lief. 1899 kaufte der Vater von Reuter, Erhard eine Mähmaschine, die erste in Eibenstock und wenige Jahre später wurde sich ein Gabelheuwender zum Wenden und ein Schlepprechen zum Schwaden zugelegt. Der Heuwagen wurde in die Scheune gefahren und abgegabelt, ein Heuaufzug war nicht vorhanden. Mit der Mähmaschine wurde auch das Getreide gemäht.
1936 wurde ein Silo gebaut. Dort wurde das Grünfutter gleich frisch eingebracht und festgetreten. Es musste mit Zucker versetzt werden, damit eine ordentliche Gärung stattfand.
Die ersten Ladewagen, die ja die Silowirtschaft sehr erleichterten kamen zu LPG-Zeiten auf, der erste in Eibenstock 1969.

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