Fluss & Bach

Wie viele Sonnen haben mich verbrannt,
wie viele Wege mich getragen
und Bäche mich begleitet!
Hermann Hesse (1877-1962)

Fließgewässer werden oft als Lebensadern unserer Landschaft bezeichnet und das sind sie wohl auch immer gewesen und im gewissen Grade bis heute geblieben. Aber eben nur im gewissen Grade, denn es gibt kaum ein Flusssystem in Mitteleuropa, dass nicht stark durch menschliche Eingriffe verändert wurde, verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf das Leben in den Gewässern. Das gilt auch für die Zwickauer Mulde mit den sie speisenden Bächen, die unsere Region prägen.

Man nutzte die Flüsse und Bäche als Viehtränke, als Waschplatz und natürlich zum Fischfang, denn die Gewässer waren sehr fischreich und auch Krebse und Muscheln gab es reichlich. Und so gehörten u.a. Aale, Lachse, Aalraupen, Schmerlen und natürlich Forellen zu den gesuchten Leckerbissen. Dieser Fischreichtum hing kurioserweise auch damit zusammen, dass die Fließgewässer auch eine Menge an Abwässern und Fäkalien mit hinwegzuführen hatten und dadurch nährstoffreicher waren als jetzt. In Eibenstock weiß man noch heute zu erzählen, dass früher nach Starkregen, wenn der Graben aus Carlsfeld über die Ufer getreten war, die Forellen auf den Wiesen herumlagen. Aber dieses Bild war nicht immer und überall ungetrübt. Schon Agricola prangerte Anfang des 16. Jahrhunderts an, dass die Forellen mancher Bäche durch den Schlick und Schlamm der Pochwerke und Erzwaschungen vernichtet wurden. Als trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung kann wohl dann das ausgehende vorige Jahrhundert gelten, als von einer Fischfauna in unseren Gewässern nicht mehr gesprochen werden konnte. Heute ist ein erfreulicher Aufwärtstrend zu verzeichnen.

01-Dorfbach von Sosa um 1920

Aber auch Floßgräben für den Holztransport und eine Vielzahl von weiteren künstlichen Gewässern wurden angelegt, zum Beispiel für die alte und lange Zeit betriebene Kunst der Wiesenwässerung, die heute fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. Mit wahren Meisterwerken aus Gräben und Dämmen wurde Wasser und auch Abwasser auf die Wiesen geleitet und diese gedüngt. Wenn mehrere Anlieger davon profitierten, erfolgte dies nach einem strengen Reglement. Jeder hatte seine festen Zeiten, in denen er das wertvolle Gut auf seine Flächen umleiten durfte und das wurde streng beargwöhnt und kontrolliert. Und das genaue Gegenteil wurde noch häufiger und großflächiger praktiziert, das Entwässern von Nasswiesen und Mooren.

02-Dorfbach von Sosa heute

Mittlerweile sind die Bäche und Flüsse vor allem innerorts aus Gründen des Hochwasserschutzes fast vollständig in ein Korsett gezwängt. Und nach dem Hochwasser von 2002 wurde und wird wieder vermehrt an den Fließgewässern herumgedoktert. Ob die Patienten, die immer schneller werdenden Bäche und Flüsse, am Ende wirklich in ihren harten „Betten“ bleiben, werden wir sehen.

Tipps:

- Sehr empfehlenswert ist der herrliche Wanderweg am Floßgraben entlang zwischen Rechenhaus und Aue, besonders im Herbst, wenn die grabenbegleitenden Laubbäume ihr Farbenspiel treiben. Dort kann man auf der einen Seite ein beeindruckendes Denkmal der Wasserbaukunst der Menschen bewundern und auf der anderen einen in diesem Abschnitt noch einigermaßen unverbauten Fluss, die Zwickauer Mulde. 

- Wunderschöne Gebirgsbäche kann man noch an vielen Stellen in der Region finden, zum Beispiel die Große Bockau zwischen Wildenthal und Eibenstock, den Stinkenbach in Sosa, den Seifenbach in Zschorlau, der am Ortsrand sogar noch ein „Restlein“ von Auwald zu bieten hat, den Grießbach in Lauter oder den Aubach in Lößnitz, um nur einige zu nennen.

- Aber wenn Sie sich in den Ortszentren der Region aufhalten, schauen Sie ruhig auch einmal in die Bäche, wenn man die dort noch guten Gewissens so bezeichnen kann. Es ist zumindest interessant, auf welch unterschiedliche Art und Weise man einem Gewässer den Garaus machen kann. Manche dieser „Begräbnisstätten“ sehen sogar recht possierlich und nett aus, sind teils noch durch Blumenrabatten oder ähnliche Kinkerlitzchen schön herausgeputzt, können aber schwer darüber hinwegtäuschen, dass „Bruder Bach“ tot ist, toter geht’s nicht.

03-Floßgraben und Mulde

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