Haus & Garten

„Die klügsten Männer: jene,
die ihrer Frau einreden können,
dass Gartenarbeit schön macht.
Karel Capek (1890-1938)

Die Gehöft- und Hausformen im Erzgebirge sind maßgeblich durch die fränkische Besiedlung beeinflusst und reichen je nach Gegend und Größe der für die Bewirtschaftung zur Verfügung stehenden Flächen vom einfachen Wohnhaus, Wohnstallhaus, Zweiseithof, Dreiseithof bis zum Vierseithof, wobei die kleinen Formen überwiegen und Letzterer schon relativ selten anzutreffen ist. Es ist auch nicht zu übersehen, dass, verbunden mit dem Zurücktreten des Ackerbaus zugunsten der Viehwirtschaft, die Anzahl und Größe der Gehöfte mit zunehmender Höhenlage abnimmt.

01-Sosa 1942

Aus der Vielfalt dieser Haus- und Gehöftvarianten sei hier nur eine frühe Form des Wohnstallhauses kurz herausgegriffen, um den damaligen „Wohnkomfort“ einmal zu veranschaulichen. Wie der Name schon sagt, lebten Mensch und Tier unter einem Dach vereint. Links vom Flur war die Stube, rechts war der Stall und geradeaus ging es in die Rußküche, auch als schwarze Küche bezeichnet, mit der Feuerstelle unter dem offenen Schornstein, der deutschen Esse, von der aus auch der mit Hinterladerfeuerung betriebene Stubenofen beheizt wurde. Alle anderen Räume waren kalt, auch der u.a. als Schlafraum dienende Hausboden. 

Beim Hausbau versuchte man damit auszukommen, was in der näheren Umgebung, möglichst auf eigenem Grund, vorhanden war: Nadelholz, Roggenstroh, Lesesteine, Lehm, Flusssand usw.

Ein großes Problem war in früheren Zeiten die Brandgefahr. Deshalb waren die Häuser und Gehöfte häufig mit einem oder mehreren Laubbäumen umstellt, die das Dorfbild weithin prägten. Das Laub fand dazu noch Verwendung als Einstreu im Stall oder auch als Viehfutter in Notzeiten.

02-Gehöft in Langenweißbach

Oft befand sich am Haus noch ein Obst- und Grasgarten, der eine Nutzung in zwei Etagen ermöglichte. Unter den hochstämmigen Obstbäumen konnten Rinder, Schafe oder auch Federvieh der Futtersuche nachgehen.

Meist an der Giebelseite des Hauses fand man den Bauerngarten, der schon von alters her durch einen Holzzaun vor Eindringlingen geschützt war. Je nach Größe wurde eine Vielzahl von Blumen und Stauden wie Akelei, Aster, Dahlie, Glockenblume, Margerite, Narzisse, Rittersporn, Rose und Tulpe; Heil- und Gewürzkräutern wie Beifuß, Beinwell, Bohnenkraut, Borretsch, Dill, Knoblauch, Kümmel, Liebstöckel, Meerrettich, Petersilie, Pfeffer-Minze, Schnittlauch, Wermut und Zwiebel; Gemüse wie Busch- und Stangenbohne, Erbse, Garten-Gurke, Kohl, Kopfsalat, Kürbis, Möhre und Rhabarber und Beerenobst wie Brombeere, Erdbeere, Himbeere, Stachelbeere, Rote und Schwarze Johannisbeere angebaut. Dabei stand wohl anfänglich der Anbau der Nutzpflanzen im Mittelpunkt, Blumen und Stauden kamen erst später hinzu. Aber gerade diese Mischung aus Nützlichem und Schönem macht oftmals den Reiz und die Pracht dieser Kleinode in den Dörfern aus.

03-Gehöft in Giegengrün

Heute werden alle diese Kleinstrukturen im Umfeld der Gebäude, die auch wichtige Lebens- und Nahrungsräume für die dörfliche Tierwelt sind, immer seltener, weil die ehemals rege Nutzung bedauerlicherweise mehr und mehr eingestellt wird.

Tipps:

- In vielen unserer Dörfer gibt es noch schöne Erzgebirgshäuser und Gehöfte, auch mit intakten und liebevoll gepflegten Hausgärten. Auch größere Gehöfte mit gut ausgeprägten Obst- und Bauerngärten lassen sich finden, vorzugsweise in den niederen Lagen.

04-Naturherberge Affalter

- Ein altes Erzgebirgshaus, das Sie besichtigen können, ist das Nadlerhaus in Hundshübel, in dem auch noch so mancher alte Einrichtungsgegenstand bestaunt werden kann.

- Einiges über Nutzgärten und darüber, wie man Haus und Garten im Sinne des Naturschutzes aufwerten kann, können Sie in der Naturherberge Affalter erfahren und erleben.

[Home] [Prolog] [Erläuterungen] [Westerzgebirge] [Der Wald] [Die Feldflur] [Die Gewässer] [Das Dorf] [Haus & Garten] [Die Küche] [Epilog] [Weitere Info's] [Ihr Beitrag] [Rechtliches]