Prolog

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“
Mahatma Gandhi (1869-1948)

Das Westerzgebirge im Jahre 1000: Dunkle Buchenmischwälder mit fröhlichem Vogelgezwitscher. Murmelnde Bäche und gemächlich dahinströmende Flüsse mit ziehenden Lachsen und tanzenden Forellen. Tapsende Bären, heulende Wölfe, röhrende Hirsche und grasende Auerochsen. Dazwischen vereinzelte schlammige Wege, auf denen sich mit Salz beladene Pferdefuhrwerke über die Berge quälen.

Das Westerzgebirge im Jahre 2000: Dunkle, stille Fichtenforste, vereinzelt Buchenwälder. Bäche und Flüsse, teils naturnah, teils verbaut, seit kurzem mancherorts wieder mit Fischen. Ängstliche Rehe, dreiste Füchse, diebische Elstern. Viele Städte und Dörfer, Haus an Haus, Mensch an Mensch. Wiesen, Weiden und Äcker, auf denen riesige Traktoren ihrer Arbeit nachgehen. Dazwischen viele schöne Wege und Straßen, auf denen Autos und Lastkraftwagen mit Waren aller Art durch die Gegend sausen.

01-Zschorlau um 1840

Was ist passiert? Der Mensch ist „eingezogen“. Seit dem 12. Jahrhundert macht er sich breit, nutzt und verändert Natur und Landschaft. Dieser Wandel ging einst recht gemächlich vor sich. Über lange Zeiträume blieb die Lebensweise der Menschen relativ konstant und Veränderungen machten sich nur sehr allmählich bemerkbar. Ursache hierfür waren weniger Charakter und Eigenheiten der früheren Bewohner, die sich von den heutigen wahrscheinlich gar nicht so sehr unterscheiden, sondern einfach die noch fehlenden technischen Möglichkeiten. Und diese „Landnahme“ war nicht einmal unbedingt von Nachteil für viele Tiere und Pflanzen, die hier eine Heimat fanden. Zwar verschwand die ehemalige Naturlandschaft fast vollständig, aber die durch das Wirken des Menschen entstandene neue Landschaft, deshalb auch als Kulturlandschaft bezeichnet, war durch die sehr unterschiedlichen, relativ extensiven Nutzungsweisen über lange Zeit hinweg sogar vielfältiger an Lebensräumen und reicher an Tier- und Pflanzenarten als die ursprüngliche. Der Scheitelpunkt muss irgendwo im 19. Jahrhundert gelegen haben. Mit der Entstehung der Holzäcker, dem zunehmenden Fortschreiten der Industrialisierung in allen Bereichen und den daraus resultierenden Veränderungen in der Landnutzung ging und geht eine so rasend schnelle Landschaftsveränderung einher, dass viele dieser Tier- und Pflanzenarten sich notgedrungen wieder vom Acker machen.
 
02-Zschorlau-2007

Mit diesen Veränderungen im „Gebrauch“ unserer Landschaft und den damit einhergehenden Landschaftswandel wollen wir uns in dieser Broschüre beschäftigen und dabei den gewissermaßen doppelten Sinn des Wortes „Gebrauch“ immer im Auge behalten. „Gebrauch“ nicht nur im Sinne von „für seine Zwecke nutzen“, sondern auch dahingehend, dass man die Natur und Landschaft „gebraucht“, also braucht, um leben und überleben zu können. Ich glaube, dass dies vielen unserer Vorfahren bewusst war und auch wir sollten uns wahrscheinlich häufiger daran orientieren.

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