Das Westerzgebirge

„Wir sind als Art biologisch unentrinnbar ein Teil der Natur –
lebend an ihr Leben, leidend an ihr Leiden, sterbend an ihr Sterben gebunden.“
Horst Stern

Man kann das Westerzgebirge durchaus als typisches deutsches Mittelgebirge bezeichnen, aber natürlich auch mit speziellen Eigenheiten und einmaligen Besonderheiten. Es gibt aber innerhalb des Gebirges große Unterschiede im Landschaftscharakter. So ist der untere Teil, beispielsweise das Gebiet um Kirchberg, Langenweißbach usw. durch Offenland geprägt. In der Feldflur wird zwar intensive Landwirtschaft auf relativ großen Schlägen betrieben, die Orte selbst haben aber fast noch bäuerlichen Charakter. In der sich anschließenden Region um Aue und Schneeberg oder auch bis Schwarzenberg prägen die menschlichen Siedlungen das Landschaftsbild, ein Ort reiht sich an den anderen und wenn es nicht einige eingestreute Berge gäbe, käme man kaum auf die Idee, dass man sich in einem Gebirge befindet. Geht man dann weiter hinauf, dann hat man ihn gefunden, den typischen Dreiklang von Dorf, Wiese und Wald, der weitgehend unseren Vorstellungen von einer idyllischen Mittelgebirgslandschaft entspricht, wobei der Waldanteil immer mehr zunimmt. Der böhmische Teil hat im Kammbereich durch den plateauartigen Charakter und die großflächigen Moor- und Offenlandbereiche wieder einen etwas anderen Charakter als der stark bewaldete deutsche und fällt im Gegensatz zu diesem auch sehr steil zum Böhmischen Becken hin ab. An Abwechslungsreichtum mangelt es also nicht, für jeden Geschmack ist etwas zu finden.

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Ein Merkmal aber kennzeichnet das sächsische Erzgebirge besonders und zwar seine seit dem „Berggeschrey“ für ein Gebirge ungewöhnlich hohe Bevölkerungsdichte, die 2003 im Landkreis Aue-Schwarzenberg, den wir hier als „Kerngebiet“ des Westerzgebirges heranziehen wollen, bei 254 Bewohnern pro Quadratkilometer lag und damit sogar über dem Bundesdurchschnitt von 231. Wo gehobelt wird, da fallen Späne und so ist es auch kaum überraschend, wie schnell sich die Landschaft verändert hat und wie früh sich erste kritische Bemerkungen über Naturschäden nachweisen lassen. Schon 1699 beispielsweise von Christian Lehmann, dem in der Regionalliteratur viel zitierten Chronisten unseres Gebirges: „Es wäre zwar kein Wunder, es würde die gebirgische Luft todungesund wegen giftiger Dämpfe, Rauch und Dünsten vom Kobaltrösten, von den Schmelz- und Eisenhütten, Blech- und Zinnhämmern, Hohen und Krummen Öfen, Farbmühlen, Giftfängen, vom Floßsieden, ingleichen von bösen Wettern und arsenhaltigen Dünsten, die aus den Berggruben, sonderlich wenn man die Feuer setzt, auswittern. Die Erfahrung zeigt, dass durch dergleichen giftige und hitzige Dämpfe an manchen Orten um Annaberg, Elterlein, Buchholz, wo sie auf die Bäume, Blumen, Blüten und Kräuter gefallen waren, alles verwelkte und versengte, kein Obst gedieh, keine Bienen lebendig blieben, die Berge kahl und ohne Gras stehen.“

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Und diesen Veränderungen wollen wir jetzt nachgehen. An Hand der prägenden Landschaftsbestandteile Wald, Feldflur, Gewässer und Dorf wollen wir diese kleine Zeitreise durch die Landschaftsgeschichte unserer Heimat machen.

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